
Caterpillar, Genf
1983 bezog Caterpillar seinen europäischen Hauptsitz in Genf. Vierzig Jahre später wirft das viergeschossige Firmengebäude die Fragen auf: Wie sollen wir mit dem Bestand der 1980er-Jahre umgehen? Wie begegnet man den gestalterischen Eigenheiten der Dekade, in der Spätbrutalismus, Postmoderne, High-Tech ineinandergriffen? In diesem Fall beantwortete Burckhardt diese Fragen bei der umfassenden Renovierung des Bauwerks ganz einfach: mehr Licht! Eine simple Prämisse, die konsequent die Entwurfsentscheidungen prägt. Sie strukturiert den Raum, organisiert die Nutzungen neu und bestimmt das Erscheinungsbild. Das Gebäude wirkt dadurch nicht grundlegend neu, lässt sich aber ganz anders lesen und wahrnehmen.
Caterpillar Sàrl, Genf
2022-2025
Architektur
Olivier Di Giambattista
Industrie & Gewerbe, Umbau & Sanierung
Genf, Schweiz
Lausanne, Schweiz

Repräsentativer Lichthof
Das Herz des 35.000 m² grossen Gebäudes bildet der Lichthof mit Treppe. Allerdings wurde er dem Begriff bisher kaum gerecht. Die dunkle Ausgestaltung des Raumes mit braun-schwarzem Granit, Holzverschlägen und tief abgehängten Decken gaben dem Raum eine beklemmende Wirkung. Selbst das Glasdach konnte daran nichts ändern. Die Eingriffe zielten daher auf visuelle Öffnung: Das Glasdach wurde erneuert, die Deckenabhängung entfernt und der Granit gegen Aluminium getauscht. Weil es das einfallende Licht matt reflektiert und den Raum diffus, aber flächig aufhellt, fiel die Wahl auf dieses Material. Zusammen mit der freigelegten Beton-Struktur präsentiert sich der Lichthof nun offen und einladend. Und auch die angrenzenden Büroflächen profitieren: Hinter den Glaswänden, die das Atrium aus Brandschutzgründen fassen, entstanden offene Meetingräume und Gemeinschaftszonen für informelle Treffen mit Blicke in den Lichthof.




Freie Platzwahl
Auch die Arbeits- und Aufenthaltsbereiche wurden so renoviert, dass sie wesentlich heller sind. Der ursprüngliche Grundriss war zwar im Sinne des offenen Arbeitens entworfen, bot aber de facto wenig Offenheit. Bürotrennsysteme (Cubicles) segmentierten die Geschosse. An ihre Stelle treten nun offene Arbeitsbereiche ohne fest zugewiesene Plätze mit reichlich Tageslicht. Weg von der Fassade, hinein ins Zentrum der Geschosse rücken die geschlossenen, schallisolierten Meetingräume.



Deckenprojektion
Über den Arbeitsplätzen, an den freigelegten Decken, spannt sich ein technisches Netz, eine Art elektronische Karte aus Kabeln und Aluminiumkanälen. Da dieses Netz nicht dem Gebäuderaster folgt, kommt es in der Umsetzung auf der Baustelle zu einer geometrischen Komplexität, die sowohl Ausrichtungsfehler begünstigt als auch herkömmliche Methoden wie Papiervorlagen an ihre Grenzen bringt. Deshalb kam ein XR Projector-Laser zum Einsatz, der die digitalen CAD-Zeichnungen samt Angaben zur Verankerung und Linienführung im Massstab 1:1 präzise an die Decke projizierte.


Spiegel der Umgebung
Der Hauptsitz, Nachbar des Parc La Grange am östlichen Stadtrand von Genf, erhält auch eine neue Hülle. Die Idee der Reflexion setzt sich hier fort: Korrosionsbeständige Aluminiumplatten ersetzten den zuvor an der Fassade angebrachten Granit, dessen Aufhängung durchgerostet war. Die neue Bekleidung fängt das umliegende Grün ein und verleiht dem Volumen eine skulpturale Wirkung. Verschiedene Oberflächenbearbeitungen gliedern die Fassade: polierte und gebürstete Flächen wechseln sich ab, um die Geschossstruktur zu betonen. Betont wird derweil auch die Vertikalität der Treppenkerne, weil sie für die Gesamtform des Gebäudes charakteristisch ist. Darüber hinaus wurden die Fenster neu gruppiert und verteilt, um mehr Licht ins Innere zu lassen und den Ausblick zu rahmen. Die elektrochrome Verglasung verhindert Wärmeverluste und Überhitzung, sodass Sonnenschutzrollos überflüssig werden.



