
Keramos, Lausanne
Der Stadtteil um die Avenue de la Chablière ist ein ruhiges, grünes Wohngebiet im Nordwesten von Lausanne. Bäume, Vorgärten und Stadthäuser aus den 1930er- und 1940er-Jahren säumen die Allee. Das Wohnhaus Keramos trägt zur innerstädtischen Verdichtung bei und aktualisiert einen historischen Typus.
Burckhardt Entwicklungen
2020 – 2025
Architektur
Olivier Di Giambattista
Wohnen
Lausanne, Schweiz


Der Lausanner Plot
Das Projekt steht in der Tradition der «Plots», einer Wohnbautypologie, die Ende des 19. Jahrhunderts in Lausanne entstand. Während die Stadtbevölkerung rasant wuchs und sich die Lebensbedingungen im Zentrum zusehends verschlechterten, drängten wohlhabende Bürger an den Stadtrand und errichteten dort schlanke, freistehende Stadtvillen. Es entstand eine interessante städtebauliche Lösung, die dazu beitrug, die Wohnungsnot zu lindern und gleichzeitig hochwertige Stadträume zu schaffen. Diese Villen bewahrten urbane Dichte, verbesserten aber durch ihre offene Morphologie die Belichtungs- und Belüftungsverhältnisse der Wohnungen. Bis heute prägt dieser Gebäudetyp das Stadtbild von Lausanne. In seiner schlanken Proportionierung und der klaren Gliederung in Sockel, Wohnetagen und Dachgesims verweist Keramos auf diese historische Referenz.

Regelgeschoss
Grundrissausrichtung
Der trapezförmige Fussabdruck resultiert aus den stadträumlichen Gegebenheiten: Im Norden folgt der Baukörper dem Rhythmus der Allee, im Süden weitet er sich hangabwärts zum Genfersee und schafft eine breitere Fassade für die Balkone. Das fünfgeschossige Haus ist um ein zentrales Treppenhaus organisiert, das drei Wohnungen pro Etage erschliesst. Alle Wohnungen sind hell und wirken geräumig – vor allem durch die französischen Fenster und raumhohen Verbindungstüren. Die Grundrissausrichtung verstärkt diesen Eindruck: Klare Fluchtlinien beziehen den Kontext eng ein und führen zu grosszügigen Balkonen in den oberen Geschossen sowie private Gärten in den Erdgeschosswohnungen.


Materialien und Details
Besonderes Augenmerk galt der Materialwahl und den Details. Die Fassade aus grobkörnigem, graugrünem Putz wird durch sandsteinfarbene Fenstersimse gegliedert. Ein rotstichiger In-Situ-Terrazzo zieht sich vom Eingangsbereich bis zu den Verteilerpodesten des Treppenhauses. Das stimmige Gesamtbild, das sich aus Sichtbetonwänden und dem Terrazzoboden zusammensetzt, wird durch die sorgfältige Ausführung der Details weiter verstärkt. Die Stufen des Treppenaufgangs, die Handläufe und die durchgehende Linienführung: Jede Fuge setzt sich in der nächsten fort.



Schwellen und Kontinuität
Diese Präzision durchzieht das Gebäude: Vor den Wohnungstüren etwa ist der Terrazzo ausgespart, um Fussmatten einzulassen, die farblichen Übergang zwischen Boden und den raumhohen Türen aus Natureiche schaffen. In den Wohnungen verbergen massgefertigte Garderobenschränke sämtliche Revisionsöffnungen, sodass die Wände vollkommen glatt und homogen wirken. Die Balkone lassen sich in sichtgeschützte Aussenbereiche wandeln: Vorhänge umlaufen an einer eingelassenen Schiene die Balkone, in deren Bodenbelag sich der Terrazzo aus dem Eingangsbereich wiederfindet.





