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Hohlstrasse, Zürich

Tag für Tag rollt eine Blechlawine durch die Hohlstrasse im Zürcher Hardquartier. Dort, auf der wichtigen Verbindungsachse zwischen Zürich-Altstetten und Zürich-Zentrum, ergaben Lärmmessungen der Stadt Zürich, dass der Strassenlärm bis zu 99 Dezibel – vergleichbar mit einem Presslufthammer – erreicht. Der Charakter der lärmintensiven Hohlstrasse soll sich jedoch innerhalb der nächsten Jahre grundlegend verändern. Der Studienauftrag im Einladungsverfahren kann als Teil dieser Transformation verstanden werden. Er hat zum Ziel, die bisher gewerblich genutzte Parzelle an unwirtlicher Lage in einen lebendigen, nachverdichteten Stadtbaustein an zentraler Lage mit diversifizierten Wohnformen zu verwandeln.

Bauherrschaft

Steiner AG

Zeitraum

2024

Auftrag

Studienauftrag

Typologie

Wettbewerb, Wohnen

Office

Zürich, Schweiz

Architektur und Zwischenräume

Der Entwurf ZickZack vermittelt zwischen dem Neubau des Polizei- und Justizzentrums Zürich und der bestehenden geschlossenen Blockrandbebauung, und fügt eine neue Massstäblichkeit ein. Das Gebäudeensemble besteht aus einem strassenseitigen Randgebäude und einem rückseitigen Hofgebäude. Durch seine Höhe und den hofseitigen Fassadenanschluss nimmt der strassenseitige Massivbau-Riegel Bezug zur westlich angrenzenden Bebauung, an seiner Ostseite erhält er einen 40 Meter hohen Gebäudeabschluss. Dieser Hochpunkt dient als Auftakt und bildet gleichzeitig einen neuen Ankunftsplatz.

Dadurch wird auch die Entwicklungsmöglichkeit der östlich angrenzenden Parzelle sichergestellt. Zur Güterstrasse hin erstreckt sich das Hofgebäude als massiver Skelettbau über die gesamte Parzelle. Robuste Materialien, die auf die Industriegeschichte des Quartiers verweisen, prägen das Erscheinungsbild. Wie die gesamte Fassade lassen sie sich im Sinne von «Design for Disassembly» einfach zusammen- und auseinandermontieren.

Zickzack-Grundrisse für Lebensqualität

Sowohl das strassenseitige Rand- als auch das rückseitige Hofgebäude weisen im Grundriss eine Zickzack-artige Kammstruktur auf. Dies erlaubt zum einen die erforderliche natürliche Belüftung von der dem Lärm und Emissionen abgewandten Hofseite und entschärft zum anderen die räumliche Nähe zwischen die beide Gebäuden. Im Wechselspiel aus Vor- und Rücksprüngen in der Gebäudevolumetrie entsteht ein räumlich spannender Zwischenraum, der nicht nur in seiner Länge gebrochen wirkt, sondern gleichzeitig auch genügend Abstand zwischen den jeweiligen Wohnungen sicherstellt. Trotz der verdichteten Bebauung entsteht so für die Bewohner:innen kein Dichtestress.

Vielfältiger Nutzungsmix

Der Nutzungsmix setzt sich aus Wohnen, Co-Living sowie Gewerbe und Verkauf zusammen, dem Wohnen kommt mit insgesamt 126 Wohnungen dabei die grösste Rolle zu. Einzig im Erdgeschoss befinden sich flexibel unterteilbare Gewerbe- und Dienstleistungsflächen, aber auch Veloabstellplätze und Gemeinschaftsräume. Vom 1. bis 12. Obergeschoss wird gewohnt. Die offenen Grundrisse sind kompakt gestaltet und als Mehrspänner ausgebildet. Die Übereckwohnungen sind licht und lassen Panoramablicke zu, durchgesteckte Aussenloggien sorgen zudem für private Aussenräume. Im fünfstöckigen Hofgebäude ist die Wohnform des Co-Livings platziert, deren Herzstück der gemeinschaftliche Wohn-, Koch- und Essbereich ist. Dieser lässt sich über grossformatige Fensterschiebeelemente zur Hofgasse hin öffnen, während zur Güterstrasse – neben privaten Terrassen – auch Gemeinschaftsterrassen zum Verweilen einladen.

Lebendiger Aussenraum

Der Entwurf sorgt für eine hohe Qualität des Aussenraums. Er wird durch drei prägende Achsen gebildet: Weil der Freiraum entlang der Hohlstrasse von Stadtleben und Strasse geprägt ist, wird er entsprechend robust ausformuliert. Zwischen den beiden Gebäuden spannt sich eine belebte Gasse: Einladende Hofsituationen treffen dort auf grüne Inseln mit Bäumen und Stauden – ein Ort des Austauschs und der Begegnung.

Das Resultat ist eine hochverdichtete Neubebauung, die einen städtischen Unort in ein Vorzeigeprojekt hinsichtlich einer qualitativ hochwertigen Siedungsentwicklung zu verwandeln vermag.

Projektpläne