
Bibliothekarisches Lernzentrum, Kiel
Mit fast 8.000 Studierenden ist die HAW Kiel die größte Fachhochschule in Schleswig-Holstein. Der Campus liegt direkt an der Förde – frischen Wind gibt es gratis. Der Standort befindet sich auf einem ehemaligen Industriegebiet und ist einerseits direkt über den Wasserweg der Kieler Förde/Schwentine, andererseits nordseitig über den Landweg erschlossen. Die offene Architektur des Baus setzt ein städtebauliches Zeichen und bildet als «Dritter Ort» einen wichtigen Baustein für eine wirksame Bildungslandschaft, bei der die Nutzerinnen im Mittelpunkt stehen.
Land Schleswig-Holstein
2017–2025
Architektur, LPH 1-9
Schnepp Renou
Forschung & Bildung
Berlin, Deutschland


Städtebaulicher Abschluss des Campus
Der städtebauliche Masterplan des Campus basiert auf einer Hauptachse, die sich vom Anlegesteg bis zum neuen Lernzentrum erstreckt. Auf halber Strecke und geprägt von heterogen Solitärbauten, befindet sich der Sokrates-Platz. Der viergeschossige Neubau des Lerndock markiert den Endpunkt der Campus-Entwicklung im Norden. Durch seine quadratische Grundrisstypologie mit transparentem Erdgeschoss wirkt das neu platzierte Volumen als Treffpunkt und Vermittler zwischen unterschiedlichen Bereichen der Hochschule.

Das Atrium als graphisches Zeichen
Das Haus adressiert fächerübergreifend alle Studierenden, sein Nutzungskonzept macht es zum lebendigen Zentrum der Hochschule. Ein offenes Foyer nimmt Nutzerinnen wie Besucher in Empfang und führt sie zum Herz des Bauwerks: dem lichtdurchfluteten Atrium. Von hier aus führt die skulptural ausgestaltete Haupttreppe nach oben, um alle Ebenen zu verbinden. Mit ihren breiten Sitzstufen ist sie nicht nur Zirkulationsraum, sondern auch ein Ort des Verweilens. Dank zahlreicher Sichtbezüge gibt sie Orientierung im kompakten Baukörper, 36 Oberlichter sorgen zudem für eine gute Lichtstimmung.

Offene Lernlandschaften
Um das Atrium ist die Lernlandschaft in offenen Grundrissen organisiert. Die verschiedenen Nutzungen sind so angeordnet, dass sie immer wieder Zwischenräume mit unterschiedlichen Blickrichtungen in die Umgebung freispielen. Innerhalb des Hauses sind die Nutzungen vertikal mit abnehmender Öffentlichkeit organisiert: Das Erdgeschoss mit Eingang, Foyer, Senatssälen sowie Cafeteria ist für alle größtmöglich transparent ausgebildet. Die Bibliothek erstreckt sich über zwei Geschosse hinweg. Im 1. Obergeschoss befindet sich zudem das «Zentrum für Lernen und Lehrentwicklung». Auf allen Ebenen finden sich Rückzugsbereiche für ungestörtes Lesen und Lernen, Orte für das gemeinschaftliche Arbeiten und informelle Begegnungen. Den Abschluss bildet die Dachterrasse mit weitem Blick über die Stadt und die Förde. Sie wird für besondere Anlässe wie Lesungen exklusiv geöffnet. Insgesamt fasst das Gebäude ca. 700 Personen.


Ein Kleid aus Metall und Glas
Über dem verglasten Sockel ist das Haus mit einer netzartigen Metallfassade bekleidet. Um den verschiedenen Nutzungen im Innern Rechnung zu tragen, ist sie in offenere und geschlossenere Bereiche gegliedert. Die Pfosten-Riegel-Konstruktion ist mit schmalen Lisenen aus pulverbeschichtetem Aluminium versehen, die der Fassade eine skulpturale Tiefe geben. Der Wechsel aus mattschwarzen und warmgolden schimmernden Flächen rhythmisiert die Fassade. Materialität und Profilierung erinnern an Überseecontainer und stellen so die Verbindung zur industriellen Hafenumgebung her.
